Unternehmenskulturgestaltung

Menschen wollen leisten – nicht „nur“ funktionieren.

Die Kultur eines Volkes wird dadurch definiert, wie sie mit Alten, Schwachen und Hilflosen umgeht. In jeder Gemeinschaft, z. B. in Familie, Organisation, Firmen, Behörden, usw. gibt es eine Kultur. Unabhängig von Größe oder Zweck, Alter oder Geschlecht, Glaube oder Herkunft, in jeder Gemeinschaft herrschen spezielle Umgangsformen, Werte und Spielregeln.

Werte und Spielregeln sind die Rahmenbedingungen dieser Gemeinschaft und bestimmen maßgebend den Umgang dieser Menschen untereinander. Die Lern- und Leistungsbereitschaft, die selbstverantwortliche Identifikation mit der Aufgabe der Mitarbeiter in einem Unternehmen sind von der jeweiligen gelebten Unternehmenskultur abhängig. Das bedeutet, der dauerhafte Erfolg eines Unternehmens ist weitgehend von der gelebten Unternehmenskultur in dieser Gemeinschaft abhängig. Nur in einer mit allen Beteiligten kompatiblen Unternehmenskultur kann das gesamte Potential der darin beschäftigten Menschen abgerufen werden. Die Unternehmenskulturgestaltung ist deshalb eines der wichtigsten Führungsinstrumente die es gibt,  jedoch wird es wenig genutzt.

In der Führung von  Unternehmen, kleine und große, wird offensichtlich so viel falsch gemacht, dass lediglich noch 13 % aller Beschäftigten in einem Unternehmen eine emotionale Bindung zu „ihrem“ Unternehmen haben. Alle anderen machen Dienst nach Vorschrift, haben innerlich bereits gekündigt oder sie sabotieren ihr Unternehmen sogar.

Insolvenzen, Pleiten und Massenentlassungen sind zwar nicht nur auf mangelnde Leistungen und Motivation der Mitarbeiter zurückzuführen, es kommen auch falsche Strategien, Fehleinschätzung des Marktes, mangelnde Kenntnis der Rahmenbedingungen von Kundenverhalten, Mitarbeiter und Mitbewerber dazu. Natürlich spielt auch die Qualität von Produkten und Dienstleistungen, Prozesse, Preise und falsches Marketing eine wichtige Rolle. Diese Themen sind jedoch auch ein Teil der Unternehmenskultur. Die gelebte Verantwortlichkeit, die Identifikation mit der Firma, die Loyalität, die Motivation, dem leidenschaftlichen Einsatz für die Belange des Unternehmens, all das ist gelebte Unternehmenskultur.

Die Unternehmenskulturgestaltung lässt sich in drei Teile gliedern.

Sie beginnt Erstens mit der Festlegung strategischer Ziele des Unternehmens durch die Inhaber und/oder Vorstände. Diese strategischen Ziele sind die Grundposition, aus der alle Planungsaktivitäten abgeleitet werden. Dies ist die ZIELORIENTIERUNG, die die Firmenleitung erarbeitet. Die Zielorientierung gibt die Antworten auf die Fragen: Wo wollen wir hin? Was ist unser Ziel?

Als Zweites folgt die WERTEORIENTIERUNG. In dieser Werteorientierung wird festgelegt, auf was die Menschen in einem Unternehmen oder Organisation WERT legen und was ihnen WICHTIG ist. Wie sie miteinander umgehen und kommunizieren wollen und wie die Gemeinschaft nach außen präsentiert werden soll. Anders als in der Erarbeitung der Unternehmensziele sind hier alle Beteiligten zu integrieren.

Diese Werteorientierung führt dann zu einem Leitbild, zu einem Leitmotiv das klärt, welche grundlegende Rolle das Unternehmen am Markt spielt. Dieses Leitbild soll das Verständnis untereinander und die Wirkung des Unternehmens nach Außen dokumentieren. Dieses Leitbild soll kurz und allgemeinverständlich die Mission und den Zweck der Firma zum Ausdruck bringen. Dieses Leitbild soll zur Orientierung der Kunden und den Beteiligten zur Identifikation mit der jeweiligen Aufgabe dienen.

Danach folgt als Drittes die HANDLUNGSORIENTIERUNG. In diesem Teil der Unternehmenskulturgestaltung wird festgelegt, was getan werden muss, um diese Ziele zu verwirklichen. In den Handlungsleitsätzen werden die einzelnen Aufgaben und Verhaltensnormen erarbeitet. In einer zweiten Frage: „ Woran erkenne ich, dass ich diese Handlungsleitsätze umgesetzt / gelebt habe“, werden dann die dazugehörigen Messlatten definiert.

Dadurch, dass alle Beteiligten in diesem Prozess, außer bei der Erarbeitung der Unternehmensziele (Zielorientierung), eingebunden sind, wird ein Höchstmaß an Identifikation mit dem Unternehmen erreicht. Jeder Beteiligte commitet sich zu seinem Unternehmen und zu seiner Aufgabe. Die Mitarbeiter und Führungskräfte werden weder unter- noch überfordert. Sie werden zu leidenschaftlichen Fürsprechern „IHRES“ Unternehmens. Sie haben den Sinn ihrer Tätigkeit erkannt und setzen ihre Potentiale, Fähigkeiten, Wissen und Können gerne für „Ihr“ Unternehmen gewinnbringend ein. Wertschätzung, Toleranz, Führsorge und Gemeinnutz kommen wieder besser zur Geltung. Freude und Spaß an der Arbeit, Kreativität und Selbstverantwortung gewinnen die Oberhand. Die Unternehmenskultur ist der entscheidende Wettbewerbsfaktor der Zukunft und bestimmt den Erfolg des Unternehmens.

Die Investition in diesen Prozess der Unternehmenskulturgestaltung ist eine effektive und effiziente Investition in die Zukunft eines Unternehmens, Organisation, Behörde oder sonstigen Gemeinschaft, die sich lohnt. Das größte Kapital eines Unternehmens, nämlich die Mitarbeiter und die Kunden, werden erst durch die geeignete Unternehmenskultur aktiviert und vermehrt.

Peter Plank